Lockruf der Lachse - Das Rügentagebuch
Fast wie in Kanada
Glowe/Schaprode/Rügen, 16.02.2011
Die Großlachse vor Rügen faszinieren schon seit vielen Jahren Angler und Guidinggäste aus ganz Europa. Warum nach Kanada an den Yukon reisen, wenn das Gute liegt so nah!? Marco, Andi und Klausi folgten dem Lockruf des Silbers und statteten der Insel Rügen einen Besuch ab. Denn Abenteuer, Wildnis und natürlich Lachse gibt´s auch hier bei uns im schönen Deutschland. Das "Goldgräbernest" Glowe, erinnerte vom Wetter her dabei sogar ein wenig an die berühmte Stadt Whitehorse im kanadischen Norden und an die berüchtigte Dempster Ice Road. Die Tage auf Rügen waren wirklich "arschkalt", doch lesen Sie selbst, im Yukon- ähm, sorry Rügentagebuch:
Die Anreise
Am 27.01.2011 brachen wir, (Andi, Klausi und ich) gegen 15 Uhr auf. Ziel war das bereits seit Monaten geplante Lachs- und Meerforellentrolling vor Rügens Küste. Bereits eine Woche vor Antritt der Reise wussten alle, dass es keine einfache Mission werden würde. Bei der immer noch herrschenden Kälte und dem schlechten Wetter haben wir uns in Richtung Dessau aufgemacht, um Kumpel Klausi zu treffen, der sich die Reise zum Silber der Ostsee natürlich auch nicht entgehen lassen wollte.
Nach einer langen und beschwerlichen Fahrt sind wir gegen 21 Uhr in Udars bei Schaprode eingetroffen. Die Unterkunft war wie gewohnt im Ferienhaus bei Guide und Kapitän Jürgen. Nachdem das Gepäck in den Zimmern verstaut war, freuten wir uns alle auf ein kühles Bier und ein paar Kurze. Leider blieb es nicht bei den "paar" Kurzen. (Anm. d. Red.: …war das nicht klar, bei der Truppe!?)
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Richtung "Fischkiste"
Am Morgen des 28. Januar ging es voller Freude und aufgeregt los Richtung Hafen Glowe. Guide Jürgen hatte sein Boot vorher extra von Schaprode dorthin verlegt, da er dem Wetter nicht traute. Es stellte sich heraus, dass seine Entscheidung richtig war. Als das Boot enteist und die Ruten und das Tackle vorbereitet waren, ging es dann los Richtung "Fischkiste". Das ca. 1cm dicke Eis im Hafen war kein Problem für Jürgen´s Parker-Boot. Zudem ein Fischer, der sich kurz vor uns auf den Weg zu seinen Stellnetzen machte, seiner Arbeit als Eisbrecher sehr gute Dienste leistete. Auf offener See wurde es dann allerdings schnell ziemlich ruppig. Der Wind hatte gute 15 Knoten und es gab doch recht große Wellen. Am Zielpunkt angekommen wurden 8 Ruten mit Blinkern zum Schleppen ausgelegt. Auf die Downrigger wurde am ersten Tag verzichtet. Kurz nach dem Ausbringen der dritten Rute hat der Clip vom Sideplaner ausgelöst. Leider blieb kein Fisch am Blinker hängen. Jetzt machte sich leider auch zunehmend der Alkohol vom Vorabend bemerkbar. Klausi und ich hatten leichte Probleme und unzählige Male die Nase im Wasser…sogar unser Seebär Andi war am Ende des Tages froh wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Der Tag verlief dann leider auch ohne weitere Bisse und ging nach einem tollen Essen, das Klausi zauberte, erschöpft zu Ende.
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Tag 2 auf See
Der Plan für Tag 2 stand bereits. Es sollte Richtung Kap Arkona mit 6 Ruten am Planer Board und 4 am Downrigger geschleppt werden. Diesmal war das Eis im Hafen Glowe ca. 2 cm dick. Die Temperatur ist in der Nacht noch mal um einige Grade gesunken, dafür hat der Wind aus Norden nachgelassen. Richtung Kap Arkona waren die Wassertemperaturen bis -1,8°C kalt. Der eisige Nordwind hatte das kalte Wasser Richtung Küste gedrückt, was die Beißfreudigkeit der Lachse natürlich nicht gerade förderte. Leider hatten wir außer kalte Füße und Finger am Ende des Tages wieder keine Bisse.
Ohne Erfolgsaussichten
Etwas enttäuscht blickten wir trotzdem voller Hoffnung auf den dritten Tag, denn die Fischer von Glowe hatten doch einige Meerforellen erbeutet, die sich laut Aussage der Fischer völlig apathisch in Ihren Netzen befanden. Es sollte diesmal küstennah dicht unter Land auf Meerforellen geschleppt werden. Der Wind blies kaum und es war sogar sonnig. Leider war es wieder sehr kalt in der vorherigen Nacht. Die Boote im Hafen Schaprode konnten nicht aus dem Hafen auslaufen und Teile des Boddens waren dick zugefroren. Vom Starthafen Glowe aus, ging es schleppend die ganze Nordküste hoch und runter. Es konnte leider auch an diesem Tag kein Silber auf die Schuppen gelegt werden. Völlig durchgefroren entschieden wir uns, dass es keinen Sinn macht, den vierten Tag noch einmal ohne Erfolgsaussichten die Ostsee abzuschleppen, zumal auch von den wenigen anderen Booten, die die letzten Tage ebenfalls schleppend unterwegs waren keine Fangberichte zu hören waren.
Eisschollen im Wasser
Tag 4 war gekommen und Klausi machte sich wieder auf den Heimweg. Andi und ich wollten diesmal vom Ufer aus das Spinnfischen auf Meerforellen probieren. Die gesamte Nordküste von Rügen sieht sehr vielversprechend aus, ist aber aufgrund der vielen steinigen Abschnitte nicht einfach zu befischen. Es fand sich ein schöner Platz am Strand von Bakenberg. Das Auto wurde knapp 200m vom Strand entfernt geparkt, die Ruten fertiggemacht und das nötigste eingepackt. Dann ging es ab ins Wasser. Der mit Reif bedeckte Strand war überwältigend. Die Steine im Wasser waren noch dick mit Eis überzogen und es schwammen rechts und links die Eisschollen im Wasser. Länger als 25 Minuten war es trotz warmer Kleidung und mehrschichtiger Thermounterwäsche kaum auszuhalten und es mussten immer wieder Pausen zum Aufwärmen eingelegt werden. Nachmittags kam dann für 10 Minuten sogar die Sonne aus dem bedeckten Himmel heraus und es sah aus, als würde es noch ein super Tag werden. Leider zog dann plötzlich dichter Nebel auf und man konnte kaum 5 Meter weit sehen. Wir gaben aber noch nicht auf. Mehrere hundert Würfe und einige Stunden später haben wir dann aber doch resigniert. Leider ohne das ersehnte Silber an der Leine ging der Tag zu Ende.
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Wir kommen wieder
Tag 5 war gekommen und es war an der Zeit für die Rückreise. Etwas enttäuscht, dass es diesmal wegen der noch zu kalten Witterung nicht geklappt hat, machten wir uns auf den Heimweg. Doch eines war sicher. Anfang März geht es wieder an die Küste Rügens. Wenn das Wasser etwas wärmer ist, wollen wir den Lachsen und Mefos nochmal eine Chance geben und vielleicht einen Fisch überlisten, wenn es heißt "Rügen - Mefo die Zweite". Schöne Plätze gibt es ja ausreichend…
Fotos und Text: Marco Volland























