67 Grad Nord

Fischen nördlich des Polarkreises

Bodö/Nordnorwegen im Juni 2011

Rutenbruch mitten im Drill auf dem Großdorschplateau, blasende Wale am Horizont und brettharte Einschläge beim Speed Pilken auf Großseelachse in der 25 Pfund Klasse. Das und mehr erwartet sie im nun folgenden Bericht unserer Nordland Tour. Viel Spaß beim Eintauchen und Fotos kucken!

Der Flieger landete pünktlich um 8 Uhr auf dem kleinen Flughafen von Hannover. Andi, Marco, Thomas und Frank saßen bereits in der Maschine ab Friedrichshafen und nun stiegen auch Sascha und Jörn dazu. Die Truppe war jetzt komplett! Vor uns lagen 7 Tagen Nordnorwegen, genauer gesagt befand sich unser Camp etwa 10 Kilometer südlich von Bodö, auf der Insel Nordarnoy. Auf Arnoy Brygge angekommen packte uns das Fieber und wir richteten unsere Ruten um schnell in Richtung der Hot Spots aufzubrechen. Um 21:00 h war es dann endlich soweit und die ersten Schellfische, Dorsche, Lumbs und Lengs kamen an Bord. In der ersten Nacht konnten wir bereits Dorsche bis 14 Pfund fangen und erst gegen 03:30 Uhr machten wir uns auf den Heimweg in Richtung Hafen. Da es immer noch taghell war, konnten wir problemlos unsere Fische filetieren und legten uns zur Ruhe, um Energie für die „richtig Großen“ in den nächsten 6 Nächten zu tanken. Und da sollte noch so einiges auf uns warten!

Tolle Schellfische am ersten Tag

In der zweiten Nacht haben wir sehr viele Schellfische und schöne Dorsche zwischen 8 und 18 Pfund gefangen. In Tiefen zwischen 60 und 110 Metern war das teilweise schon echte Arbeit. Die ersten "Halibut" Bisse hatten wir auch schon, allerdings noch ohne diese verwerten zu können. Besonders Sascha hatte den Dreh ganz gut raus, wie man einen Anschlag auch mal ins Leere gehen lässt ;-) Immer wieder waren um unsere Boots herum riesige Makrelenschwärme zu beobachten. Einige von uns beackerten die Makrelen mit dem Spöket, andere versuchten es mit dem klassischen Paternoster. Am Ende waren es dann knapp zwei Dutzend, teilweise extrem fette und große Makrelen, welche abends auf dem Grill ihren Platz fanden. Mhhh, sehr lecker!

Die ersten Meterdorsche

Die nächste Nacht knallte schon richtig rein und die ersten 20 Pfund Dorsche wurden gefangen. Dicke Dorsche pumpen, was gibt es geileres!? Das machte allen mordsmäßigen Spaß! Auf dieser Tour wurden auch Wale gesichtet, welche uns alle beeindruckten. Die Wale waren eine sehr lange Zeit immer an der gleichen Stelle. Es wurden unendlich viele Fotos geschossen. Jörn holte sogar sein 300er Tele aus der Tasche und versuchte ein paar wackelfreie Bilder hinzubekommen. Auch das Blasen der Wale wurde fotografiert. Als wir die Bilder auf dem Laptop anschauten und heranzoomten, mussten wir allerdings (leider) feststellen, dass es Felserhebungen im Wasser gewesen sind und kein Wal weit und breit zu sehen war. Ja, da waren wir alle wohl ein bisschen zu euphorisch gewesen ;-) Das Blasen stellte sich übrigens im Nachhinein als Gischt raus, die auf die Felsen schwappte.

Am nächsten Tag schliefen wir fast alle bis um 13:00 Uhr. Frank, Marco und Thomas sind gegen 14:30 Uhr zur einer kleinen Nachmittagsangeltour aufgebrochen. Die Beute war leider nicht so groß wie erhofft. Um 18:00 Uhr gab´s dann lecker Spaghetti und die STORM-Gummifische wurden mit Hardmono und großen Drillingen gepimpt, da wir festgestellt hatten, das viele Schwanzbisse bzw. Anfasser oft ins Leere gingen. Gegen 20:00 Uhr machten wir uns dann auf und fuhren zum "Bullersholmskallen". Dort angekommen ließen wir uns in Richtung Land driften. Bei 24 Metern Wassertiefe machte es Peng Peng Peng und Marco hatte beim HIGH SPEED JIGGING einen Volltreffer. So wie sich die Rute bog, musste es ein großer Fisch sein. Vermutlich ein Seelachs. Und so war es auch. Ein schön gezeichneter 12 Pfünder kam an Bord. Schon wieder machte es Peng Peng Peng und der nächste Seelachs war an der Angel. Alle Seelachse befanden sich im Mittelwasser. Die Drift an dieser Stelle war einfach perfekt und ließ uns immer wieder über die von uns gewünschte Stelle gleiten. Auch auf Grund waren große Fische auf dem Echolot zu sehen und man konnte schöne Sicheln beobachten. Ständig war es am Zupfen. Als nächstes kam ein Dorsch mit 13 Pfund nach oben. Insgesamt brachte die vergangene Stunde Marco, Frank und Thomas 8 Fische ins Boot und alles waren stramme Burschen in der 10 Pfund Klasse. Also die beste Filetqualität!

Doch dann kam das ultimative Ereignis: Wir ließen alle Drei die STORM WILD EYE´s ins Wasser und Marco und Frank hatten sich ineinander verwickelt. Beim Hochholen bemerkten wir, dass auch Thomas noch verwickelt war. Wir starteten den Entwicklungsprozess und Frank hatte Thomas Schnur in der Hand. Plötzlich wurde es heiß in der Hand. Biss! Wir hatten einen Fisch an der Angel von Thomas. Die Rolle wurde geöffnet und es wurde ordentlich Schnur genommen. Nun galt es alles schnell zu entwickeln, bevor die Schnur komplett von der Rolle war. Frank zog sich Handschuhe an und begann den Fisch mit der Hand einzuholen. Marco schaffte es, dass die Schnur im Wirrwarr gut lief. So hatten wir einen ersten gemeinsamen Drill gestartet. Wir konnten den 10 Pfund Seelachs sicher landen und Frank musste erstmal seine kaputte Handfläche verarzten. Gegen Mitternacht verlief die Strömung anders und wir sahen mal nach was die anderen Drei Andi, Jörn und Sascha so alles erlebt bzw. gelandet hatten. Es waren Dorsche und Seelachse. Auch Sie hatten ein absolutes Highlight. Andi hatte plötzlich richtig Zug auf der Rute und alle waren gespannt was da wohl an die Oberfläche kommt!? Jörn setzte Andi einen Wasserrucksack auf um die Wasserversorgung sicher zu stellen. Es war der erste Heilbutt. Der Heilbutt musste allerdings wieder zurückgesetzt werden, da hier in Norwegen das aktuelle Mindestmaß 80 cm beträgt. Erschöpft aber glücklich nahm Andi noch einen großen Schluck aus der Wasserpulle. Diese Nacht war die wärmste, die wir bisher hatten und es wurden wunderschöne Bilder gemacht, wie die Sonne am Horizont aufditscht um dann gleich wieder aufzugehen. So waren alle gezwungen die ganze Nacht lang Sonnenbrillen zu tragen. Eine Mittsommer-Nacht vom Feinsten!

Zielfisch: Mondfisch

Zum Abendessen gab es heute Seelachs mit Bratkartoffeln und wir beschlossen die Strategie auf Mondfisch zu angeln wird umgeschmissen und wir gehen heute auf Seehase. ;-) Gegen 20:00 Uhr ging´s dann los und wir fuhren raus zu einem Dorsch HOT SPOT weit draußen. Dort sollten die großen Fische stehen. Sascha hatte kaum seine Angel im Wasser und der Pilker berührte den Grund, da knallte es auch schon! Seine Rute bog sich ordentlich und die Bremse kam kurz zum Einsatz. Nach kurzem aber hartem Drill wurde der erste Dorsch bei dieser Ausfahrt gelandet. Er hatte stolze 10 kg. Was für ein Kopf der Bursche hatte, dagegen sah Saschas Kopf ganz klein aus. Heute begannen wir auch damit die großen Fische zu releasen. Foto machen und zurück damit in die Tiefe. Ein tolles Gefühl kann ich nur sagen! Zumal die großen eh nicht schmecken, das Filet ist zu dick, zu weich, zu muffig, die beste Filetgröße ist eindeutig 3 bis 8 Kg. Wir haben an diesem Tag sicher ein dutzend Fische um 1 Meter Länge wieder released. Saschas größter Dorsch dürfte so um die 13 – 14 kg gehabt haben. Auch diesen haben wir released. Ein bisschen Matrialschwund inkl. Rutenbruch im Drill gabs heute auch, aber das lässt man sich auf so einem geilen Großdorschplateau weit draußen auch gefallen! Besonders stolz waren alle darauf, dass wir uns diese Stelle selbst erarbeitet hatten bzw. anhand der Seekarten lokalisiert hatten. Gegen 02:00 Uhr fuhren wir wieder zurück ins Camp.

Knackige Seelachse in der 20 Pfund Klasse

Am folgenden Tag um 11:00 Uhr standen die ersten auf und Frank und Marco fuhren zum Einkaufen. Gegen 12:30 haben wir dann gefrühstückt, natürlich mit warmen Brötchen aus dem Backofen. Im Anschluss hat Jörn den Räucherofen angeschmissen und es wurden Heilbuttstücke geräuchert. Diese hatte er von unseren Nachbarn geschenkt bekommen, die am Tag zuvor einen Heilbutt von 80Kg mitgebracht haben. Die Filets sahen von der Größe her aus wie Klinkersteine vom Hausbau! Echt Wahnsinn. Gegen 17:00 Uhr sind wir dann rausgefahren und haben wieder sehr schöne Seelachse gepilkt. Thomas hatte einen mit 10 kg und Marco hatte sogar einen mit 12 kg. Jetzt konzentrierten wir uns nur noch auf die 6 kg großen Seelachse. Die größeren wurden komplett zurückgesetzt. Zwei Stunden später hat es angefangen zu regnen. Dies tat es die ganze Nacht über. Wir haben später einen sandigen Untergrund gefunden. Über dieser Stelle begannen wir mit dem Schleppfischen. Um nicht so schnell zu werden nahmen wir einen Driftsack (genauer gesagt eine große blaue Tüte von einem bekannten schwedischen Möbelhersteller) und brachten sie ins Wasser um langsamer zu werden. Wir fischten mit den Pilkern und Gummifischen in einer Tiefe zwischen 40 und 25 Metern. Leider war zu wenig Bewegung im Wasser. Jedoch konnte man immer wieder auf dem Radar große Flächen sehen, wo Heilbutte unterwegs sein könnten. Nun war es schon 23:30 Uhr und das eine Boot fuhr zurück. Andi und Jörn probierten noch 2 Stunden weiter ihr Glück beim Schleppen. Später trafen sich alle zusammen im Camp und es gab Essen. Sascha machte uns super gegrillte Würstchen. Dazu gab es Kartoffelbrei. Johann, war das lecker! Die Lieder, die uns die ganze Zeit und über jeden Tag begleiteten waren „Ich muss nur noch kurz die Welt retten und 148 Mails checken“ sowie „Wartesaal“ von Bosse und „Sommer“. Ja, es hat auch seine Nachteile, die ganze Zeit freien Wlan Zugang zu haben, die Ohrwürmer wird man so schnell nicht mehr los.

Heilbutt zum Abschluss

Andi und Jörn waren heute schon um 10:00 Uhr aufgestanden, da sie heute gezielt auf Heilbutt angeln wollten. Es hat am Morgen aufgehört zu regnen. Nachdem alle bis um 12:00 Uhr gefrühstückt hatten, machten sich Andi, Jörn, Marco und Frank auf und fuhren los. Sascha und Thomas blieben zurück und reinigten schon mal ihre Angeln und Rollen. Um 17:15 Uhr kamen die Vier allerdings schon wieder zurück. In der Zwischenzeit hat es auch wieder angefangen zu regnen und der Wind frischte stark auf. Sie berichteten, dass die Rückfahrt heftig war und erhöhte Wellen das Wasser aufpeitschten und viel Wasser vorne ins Boot schwappte. Sie waren wieder zur gleichen Stelle gefahren wie gestern, jedoch noch etwas näher ans Ufer ran. Bei ca. 16 – 20 Metern Tiefe hatten Sie dann die erhofften Heilbuttbisse. Marco hatte einen Heilbutt, mit einer Länge von 78 cm. Dies ist in Norwegen wie gesagt untermassig (min. 80 cm) somit wurde er wieder zurückgesetzt. Frank hatte dann beim Speed Jigging einen Heilbutt mit an die Oberfläche gebracht, der ständig um seinen Pilker herumschwamm. Beim Speed Pilken, was mittlerweile zu einer unserer Lieblingsdisziplinen geworden war, knallten erneut sehr kampfstarke Seelachse in die Pilker rein. Meistens kamen die Einschläge im Mittelwasser. Nach dem Anschlag wurden erstmal 20 bis 30 Meter Schnur von der Rolle gerissen, obwohl die Bremsen wirklich HART eingestellt waren! Nach dem Ende der ersten Flucht ging es dann ans Pumpen. Viele Fische zwischen 10 und 25 Pfund kamen ins Boot. Auch sie wurden fast alle released. Ein toller Abschluss und die Vorfreude auf viele, viele leckere Fischgerichte, die jeder von uns nun in den nächsten Monaten zuhause zaubern wird. An dieser Stelle kann bereits erwähnt werden, Bodö - we will come back to you in 2012!

Fotos und Text: Thomas Böltz und Jörn Wittenberg



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